Kultur aus Passion Drucken

D' G'schicht' vom Brandner Kasper

In seiner oberbayerischen Heimat ist der Brandner Kasper so beliebt wie legendär. Die Raffinesse und liebenswerte Entschlossenheit, in der sich der Brandner Kasper der Mitnahme durch seinen leicht hilflosen Gegenspieler Boanlkramer zu entziehen sucht, bleibt auch in der Neufassung erhalten, die die Passionsspielgemeinschaft Waal ihrem Publi- kum präsentiert.


Völlig neu an der Waaler Produktion ist wiederum der Text der allgäuerischen Version. Eine handver- lesene Truppe Einheimischer, allesamt zeitlebens Dialekt sprechend, stand Spielleiter Florian Werner bei der Überarbeitung des ursprünglich oberbayeri- schen Originals zur Seite. Das Resultat ist eine Neufassung, die in geballter Allgäuerischer Mund- art-Power daherkommt.


Auch die Geschichte ist in mehreren Teilen näher an der Originalerzählung von Franz von Kobell. So wird das bekannte Wildererszenario durch eine Liebes- geschichte des jüngeren Brandner-Sohns, der mit seinem Bruder als bayerischer Soldat nach Tirol in den Krieg gegen die Freiheitskämpfer um Andreas Hofer zieht, ersetzt.


Zu den Neuerungen der Waaler Version zählen aus- serdem eine Engelsschule und der Schutzengel- stammtisch im Himmel, der noch mehrere neue Figuren bereit hält. Letztlich nimmt die Geschichte gerade am Ende einen anderen Verlauf, als bekannt.


Ansonsten aber bleibt alles beim vom Publikum Geschätzten. Mithilfe von Kartenspiel und Kirsch- geist bringt der Brandner Kaspar die himmlische Ordnung erst einmal gehörig durcheinander.


Im beschaulichen Örtchen an der Singold indes gestalten die weit über hundert Laiendarsteller ein spielerisches Miteinander, das von der Hingabe seiner Darsteller an die Passionsspielgemeinschaft lebt.