Kultur aus Passion Drucken

D' G'schicht' vom Brandner Kasper

In seiner oberbayerischen Heimat ist die Figur des Brandner Kaspers so beliebt wie legendär. Die Raffinesse und liebenswerte Entschlossenheit, in der sich der Brandner Kasper der Mitnahme durch seinen leicht hilflosen Gegenspieler Boanlkramer zu entziehen sucht, bleibt auch in der Neufassung erhalten, die die Passionsspielgemeinschaft Waal jetzt auf die Beine gestellt hat.


Völlig neu an der Waaler Version ist wiederum der Text. Eine handverlesene Truppe Einheimischer, allesamt zeitlebens Dialekt sprechend, stand Spielleiter Florian Werner bei der Überarbeitung des ursprünglich oberbayerischen Originals zur Seite. Das Resultat ist eine bislang einmalige Neufassung, die der geografischen Lage Waals am nördlichen Rande des Allgäus Rechnung trägt und darum in geballter Allgäuerischer Mundart-Power daherkommt.


Zu Werners Neuerungen zählen außerdem Engels- schule und Schutzengelstammtisch und die Figur des Erzengels Michael, der im Himmel ein strenges Regiment führt.


Ansonsten bleibt alles beim Alten, Bewährten und vom Publikum Geschätzten. Mithilfe von Kartenspiel und Kerschgeist bringt der Brandner Kaspar die himmlische Ordnung erst einmal gehörig durchein- ander. Der Portner Petrus bleibt dem Stück später ebenso erhalten wie des Brandner Kaspers vor- kostender Blick ins Paradies und seiner letztlichen Entscheidung zum dortigen Verbleib.


Im beschaulichen Örtchen an der Singold indes gestalten die weit über hundert Laiendarsteller ein spielerisches Miteinander, das von der Hingabe seiner Darsteller an die Passionsspielgemeinschaft lebt. Im Unterschied zum Brandner Kasper trotzt diese Tradition dem Boanlkramer schon seit ihrer Geburt am Ende der Pestzeit mehr als erfolgreich.